„Jeder Punkt wäre Gold wert“

Erstellt am: 06.03.2018

Münchner Schach-Bundesligisten rechnen sich gegen Dresden und Berlin wenig aus

Von Hartmut Metz

„Gegen Berlin und Dresden gab es in der vergangenen Saison keinen Blumentopf zu gewinnen“, ahnt Markus Lammers am Wochenende Schlimmes für die Münchener Schachakademie (MSA) Zugzwang. Noch düsterer sieht Klaus Bischoff die nahe Zukunft bei den Bundesliga-Heimspielen seines FC Bayern: „Gegen die Schachfreunde Berlin haben wir aus unerfindlichen Gründen immer furchtbar schlecht ausgesehen. Gegen Dresden schnitten wir stets etwas besser ab, obwohl die eigentlich eine Riesentruppe aufbieten können.“

In der BayernLB Sportarena hoffen daher beide Münchner Erstligisten auf Überraschungen. Denn dann hätten der Tabellen-14. und 15. (beide 4:16 Punkte) laut Bischoff eher in der Bundesliga-Schlussrunde „gute Chancen auf den Klassenerhalt“. Ende April folgt in der Hauptstadt das direkte Match der Münchner Ortsrivalen, ehe jeweils zwei weitere Kellerduelle mit Hamburg und Norderstedt die Saison beschließen. „Ein Dramaturg hätte das Skript nicht spannender schreiben können“, meint Bischoff angesichts dieser Ausgangslage.

Einstweilen sieht Lammers jedoch noch „keinen Grund, Trübsal zu blasen, da wir bereits gegen drei in der Tabelle höher liegende Mannschaften gepunktet haben“, hofft der MSA-Kapitän auf ein weiteres Ausrufezeichen gegen Berlin am Samstag (14 Uhr) oder Dresden am Sonntagmorgen (10 Uhr). „Jeder Punkt wäre Gold wert, um sich vor der abschließenden Endrunde in eine bessere Position zu bringen“, weiß Lammers ebenso, nachdem „zu unserem Leidwesen die Teams im unteren Tabellendrittel näher zusammenrückten, so dass es trotz unserer zum Teil grandiosen Ergebnisse sehr schwierig wird“.

Bischoff sieht momentan mehr einen „Lauf“ bei MSA Zugzwang als bei den Bayern. Am ehesten erwartet der Großmeister gleich am Samstag Zählbares gegen Dresden. Die Sachsen liegen mit 11:9 Punkten knapp vor Berlin (10:10), treten jedoch selten in absoluter Bestbesetzung an. Wenn der  Tabellenachte an den anfälligen hinteren Brettern patzt, könnte es dem Gastgeber für ein 4:4 oder gar mehr reichen. Sicher ist, dass Bischoff selbst kein Scherflein dazu beitragen wird: Wie gewohnt erläutert der deutsche Rekordmeister an beiden Tagen für die Fans das Geschehen auf den 16 Brettern in der BayernLB Sportarena. Damit fehlt dem FCB zwar ein an vorderster Front  so  überzeugender Spieler, aber die Kiebitze bekommen dafür launige wie fundierte Kommentare auf den 64 Feldern geliefert.

Bischoff kassierte erst in der letzten Runde seine erste Niederlage – wieder einmal gegen David Navara. „Vorne ist es natürlich sowieso ein hartes Brot – aber gegen Navara ist es für mich stets besonders schwer: Ich habe bisher jede Partie gegen ihn verloren, egal ob Turnierschach, Blitz, Schnellschach oder Chess960!“, erinnert sich der 56-Jährige an zahllose vergebliche Schlachten mit dem genialen Tschechen. In Mülheim hielt Bischoff zwar anfänglich am ersten Brett „gut mit“, doch am Ende spielte Navara einmal mehr „in einer anderen Liga“. Mit seiner Ausbeute von 3/6 kann der Bayern-Crack aber dennoch angesichts des Gegner-Durchschnitts von 2615 Elo zufrieden sein.

Foto oben: Beliebter Großmeister: Klaus Bischoff kommentiert in der BayernLB Arena launig die 16 Bundesliga-Partien.



Über den Autor

Hartmut Metz ist Redakteur beim Badischen Tagblatt mit Hauptsitz in Baden-Baden. Er schreibt außerdem unter anderem für die taz, die Frankfurter Rundschau und den Münchner Merkur über Schach und Tischtennis. Zudem verfasst der FM von der Rochade Kuppenheim regelmäßig Beiträge für das Schach-Magazin 64, Schach-Aktiv (Österreich) und Chessbase.de. Darüber hinaus stammen mehrere Turnierbücher aus seiner Feder.