Baden-Baden kommt mit einem blauen Auge davon

Erstellt am: 01.03.2019

Die zentrale Runde in Berlin startete mit den Duellen der Reisepartner in der neunten Runde. In den Spitzenkämpfen setzten sich Baden-Baden und Hockenheim durch und treffen im Match der Superlative am Samstag aufeinander. Mülheim und Kiel erkämpften sich wichtige Punkte gegen den Abstieg, genau wie Augsburg, das im Kellerduell gegen München gewann.

Die OSG Baden-Baden bleibt in der SBL auch nach der neunten Runde das Maß aller Dinge. Der deutsche Meister siegte gegen die SF Deizisau mit 4,5:3,5 und führt die Tabelle weiterhin verlustpunktfrei an. Das Starensemble von der Oos musste harte Arbeit verrichten, um den Sieg sicherzustellen. Zwar brachten Levon Aronian, schneller Sieg gegen Georg Meier, und Radoslaw Wojtaszek, Überfall am Königsflügel gegen Vincent Keymer, den Favoriten früh mit zwei Siegen in Führung, doch Gata Kamsky verkürzte mit einem sehenswerten Sieg gegen Maxime Vachier-Lagrave auf 2,5:1,5.

Gata Kamsky und Peter Leko (SF Deizisau) | Foto: Georgios Souleidis
Gata Kamsky und Peter Leko (SF Deizisau) | Foto: Georgios Souleidis

Danach schien alles möglich, ja sogar ein Sieg für Deizisau, denn an mehreren Brettern besaß der Außenseiter Vorteile. Andreas Heimann und Dmitri Kollars fanden gegen ihre höher eingestuften Gegner allerdings keinen Weg, um auf Gewinn zu spielen und fügten sich ins Remis. Beim Stand von 3,5:2,5 für Baden-Baden stand Peter Leko gegen Fabiano Caruana auf Gewinn, so dass mancher auf eine Überraschung hoffte. Letztendlich gewann der ungarische Großmeister am Spitzenbrett für Deizisau, doch vorher hatte Viswanathan Anand gegen Matthias Blübaum gewonnen und den doppelten Punktgewinn für Baden-Baden sichergestellt.

Viswanathan Anand und Levon Aronian gehörten zu den Matchwinnern für Baden-Baden | Foto: Georgios Souleidis
Viswanathan Anand und Levon Aronian gehörten zu den Matchwinnern für Baden-Baden | Foto: Georgios Souleidis

Der Spitzenkampf zwischen dem SV Hockenheim und dem SC Viernheim verlief einseitig. Zwar siegte Shakhriyar Mamedyarov am Spitzenbrett gegen Samuel Shankland für Viernheim, doch an den hinteren Brettern war das Übergewicht der Hockenheimer einfach zu groß. Vladimir Fedoseev, Ivan Saric, Ruslan Ponomariov und David Howell setzten sich gegen ihre Gegner durch und besorgten das 5,5:2,5 für den Favoriten.

Die SG Solingen behauptete Rang zwei in der Tabelle durch ein klares 6:2 gegen den Düsseldorfer SK. Predrag Nikolic nutzte einen Fehler von Dirk Schuh zur Führung der Klingenstädter, die Jan Smeets, Alexander Naumann und Borki Predojevic ausbauten.

SG Solingen verteidigte Platz zwei | Foto: Georgios Souleidis
SG Solingen verteidigte Platz zwei | Foto: Georgios Souleidis

Einen spannenden Kampf lieferten sich der Hamburger SK und die SG Turm Kiel. Hamburg lag nach dem Sieg von Jonathan Carlstedt gegen Filip Boe Olsen und fünf Remis mit 3,5:2,5 in Führung. Es war aber abzusehen, dass Kiel an Brett vier ausgleichen würde und so kam es, dass Jonny Hector kurze Zeit später das 3,5:3,5 besorgte. Die letzte Partie zwischen Dorian Rogozenco und Jacek Stopa dauerte noch weitere 1,5 Stunden, bis ein Resultat feststand. Der Bundestrainer aus Hamburg hatte im Doppelturmendspel einen Bauern mehr, doch der Kieler Spieler hatte aktive Figuren und konnte dadurch das Gleichgewicht halten und den wichtigen Punkt für den Aufsteiger aus der 2. Bundesliga Nord retten.

Mit einem Unentschieden trennten sich auch der SV Mülheim Nord und Werder Bremen. Die Norddeutschen starteten favorisiert, konnten aber am Ende froh sein, dass Romain Edouard gegen Thomas Beerdsen eine schlechtere Stellung remis halten konnte. Für Mülheim war der überraschende Punktgewinn trotzdem ein großer Erfolg, da die Westdeutschen den Abstand zu den Abstiegsrängen auf vier Punkte erhöhten.

Den gleichen Vorsprung auf Rang 13 haben die Schachfreunde Berlin nach dem klaren 5,5;2,5 gegen den USV TU Dresden. Nach drei Remis brachte Martin Krämer durch einen Sieg gegen Uwe Bönsch die Gastgeber der zentralen Runde in Führung. Nach einem weiteren Remis stand es lange 3,5:2,5, bevor Peter Schreiner und Krzysztof Jakubowski für den deutlichen Sieg sorgten.

BCA Augsburg siegte im Kellerduell gegen MSA Zugzwang München mit 5:3. Nach vier Remis besorgte Eduardas Rozentalis die Führung, die Nikola Nestorovic und Petar Arnaudov ausbauten. Am Spitzenbrett wollte Kaido Kulaots, der mit seinem Sieg des Aeroflot-Open für eine Sensation sorgte, gegen Leon Mons seinen Lauf fortsetzen. Der Großmeister aus Estland überzog aber das Schwerfigurenendspiel, wonach Mons zu einem glücklichen Punktgewinn kam.

Petar Arnaudov hatte gut lachen | Foto: Georgios Souleidis
Petar Arnaudov hatte gut lachen | Foto: Georgios Souleidis

Am Samstag geht es weiter mit der zehnten Runde. Im Mittelpunkt steht der Kampf um die Spitze zwischen der OSG Baden-Baden und dem SV Hockenheim. In diesem Match treten 13 Spieler mit einer aktuellen Elo-Zahl von über 2700 Punkten auf! In einem weiteren hochklassigen Duell stehen sich Viernheim und Deizisau gegenüber. Zwischen Hofheim und Düsseldorf geht es um wichtige Punkte gegen den Abstieg.

Einzelergebnisse der neunten Runde
Kreuztabelle nach der neunten Runde
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Frauenbundesliga

In der FBL marschiert der SC Bad Königshofen Richtung Titelgewinn. Der Klub aus Oberfranken verteidigte mit dem 4:2 gegen den SV Hofheim die Tabellenführung und liegt weiterhin einen Punkt vor Baden-Baden und dem Hamburger SK, die ihre Kämpfe mit dem gleichen Resultat gewannen. Die letztgenannten Teams hoffen in den verbleibenden zwei Runden auf einen Ausrutscher Bad Königshofens, um im Kampf um die Spitze eingreifen zu können. Im Rennen um einen Podestplatz ist der SK Schwäbisch Hall noch involviert. Der Meister der Saison 2016/17 liegt mit einen Punkt Rückstand auf Baden-Baden und Hamburg auf Platz vier.

Tatjana Melamed (rechts) gewann für Bad Königshofen gegen Sonja Maria Bluhm | Foto: Georgios Souleidis
Tatjana Melamed (rechts) gewann für Bad Königshofen gegen Sonja Maria Bluhm | Foto: Georgios Souleidis

Im Kampf um den Klassenerhalt glückte der SC Rotation Pankow ein überraschendes 3:3 gegen den SK Lehrte, wonach sich die Situation am Tabellenende zuspitzt. Bayern München steht als Absteiger praktisch fest, doch vier weitere Mannschaften kämpfen um zwei verbleibende Plätze im Oberhaus. Karlsruhe hat mit fünf Punkten nur optisch die besten Karten, denn das Restprogramm spricht gegen sie. Zu einem Endspiel kommt es in der zehnten Runde zwischen Hofheim und Rotation Pankow, während Harksheide durch einen möglichen Sieg gegen Bayern München der Klassenerhalt winkt.

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Offizielle Webseite zentrale Runde Berlin



Über den Autor

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Georgios Souleidis ist Internationaler Schachmeister und hat in Bochum Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Er arbeitet als Journalist, Autor und Schachtrainer. Er schreibt u.a. als Chefredakteur für die Schachbundesliga, für Chessbase, die Zeitschrift SCHACH, SPIEGEL ONLINE oder die Deutsche Presse-Agentur. Falls er mal nicht schreibt oder Training gibt, versucht er aktiv am Brett zu beweisen, dass 1. e2-e4 der beste Eröffnungszug ist.