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Bad Mergentheim setzt auf Kontinuität: Klassenerhalt als großes Ziel

Nach dem direkten Wiederaufstieg geht Bad Mergentheim mit einem weitgehend unveränderten Stamm in seine zweite Bundesliga-Saison. Mehr Erfahrung, gewachsene Strukturen und ein ausgeprägter Teamgeist sollen diesmal zum Klassenerhalt führen. Vieles wird dabei schon am ersten Bundesliga-Wochenende auf dem Spiel stehen.

Das Aufstiegsteam von Bad Mergentheim. | Fotos: SF Bad Mergentheim

Der direkte Wiederaufstieg in die Schachbundesliga ist geschafft, nun soll der zweite Anlauf nachhaltiger werden. Die Schachfreunde Bad Mergentheim haben sich nach dem Abstieg unmittelbar zurück in die höchste deutsche Spielklasse gespielt und setzen dabei auf ein Konzept, das weniger auf spektakuläre Verstärkungen als auf Kontinuität baut. Der Stamm der Aufstiegsmannschaft bleibt zusammen. Die jungen Spieler sollen sich weiterentwickeln, erfahrene Kräfte Stabilität geben – und gemeinsam soll der Klassenerhalt gelingen.

Teamchef Johannes Raps blickt allerdings nicht auf eine makellose Aufstiegssaison zurück. Im Gegenteil: Der Weg zurück in die Bundesliga war zunächst von Rückschlägen geprägt. Gegen Baden-Baden II und Viernheim II setzte es Niederlagen. „Die Aufstiegssaison war sehr nervenaufreibend“, sagt Raps. Zwei Niederlagen in den ersten vier Runden bedeuteten zunächst einen Fehlstart. Danach aber fand die Mannschaft in die Spur und arbeitete sich an die Tabellenspitze heran.

Zum entscheidenden Moment wurde schließlich das direkte Duell am letzten Spieltag mit dem damaligen Tabellenführer aus München. Bad Mergentheim gewann und unterstrich damit, dass der Aufstieg nicht dem Zufall geschuldet war. Für München war die Saison damit allerdings noch nicht beendet: Nach der Niederlage gegen Bad Mergentheim musste die Mannschaft in die Relegation gegen Erkenschwick – und verpasste dort endgültig den Sprung in die Bundesliga.

Stamm bleibt zusammen

Für die kommende Bundesliga-Saison setzt Bad Mergentheim bewusst auf die Mannschaft, die den Wiederaufstieg geschafft hat. Anstatt den Kader grundlegend umzubauen, soll die bereits gewachsene Struktur einen entscheidenden Vorteil bringen. Die meisten Spieler sind zwischen 18 und 28 Jahre alt. Ergänzt wird die junge Mannschaft durch Erfahrung – allen voran durch Vyacheslav Ikonnikov: Der 60-jährige Großmeister spielt am achten Brett und ist bereits seit 14 Jahren Mitglied des Vereins. Damit bringt er nicht nur Schacherfahrung, sondern auch eine besondere Verbindung zu Bad Mergentheim mit. Gerade in einer Mannschaft, die sich auf einen harten Kampf um den Klassenerhalt einstellt, ist diese Mischung aus jungen Spielern und einem erfahrenen Rückhalt ein wichtiger Bestandteil des Konzepts.

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Das Aufstiegsteam und die Aufstellung für die kommende Saison.

„Die Spieler vertrauen einander, das ist wichtiger für den Abstiegskampf, der uns wohl bevorsteht“, erklärt Raps. Dieses Vertrauen soll helfen, auch schwierige Phasen gemeinsam zu überstehen. Denn dass die zweite Bundesliga-Saison eine Herausforderung wird, ist dem Aufsteiger bewusst.

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Timothe Razafindratsima (oben) und Jachym Nemec (unten) bekommen die Möglichkeit, sich mit den Topspielern der Schachbundesliga zu messen.

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Gleichzeitig sieht Raps gerade bei den jüngeren Spielern noch erhebliches Entwicklungspotenzial. Timothe Razafindratsima und Jachym Nemec gehören zu den Spielern, denen der Verein eine weitere Entwicklung auf höchstem Niveau und gegen starke Gegner ermöglicht. Hinzu kommt Ilyass Msellek, der nach einem Jahr Schachpause wieder zur Mannschaft stößt. Sein Comeback ist damit zugleich eine der wenigen Veränderungen im ansonsten weitgehend konstant gebliebenen Kader.

Mehr Erfahrung als beim ersten Versuch

Der erste Auftritt Bad Mergentheims in der Bundesliga endete mit dem Abstieg. Trotzdem war der Verein damals nicht weit vom Klassenerhalt entfernt. Gegen Mülheim und Kirchweyhe verspielte die Mannschaft wichtige Möglichkeiten. Aus diesen Erinnerungen, die bei Raps noch sehr präsent sind, soll die aktuelle Mannschaft nun Kapital schlagen.

„Gegenüber unserer ersten Saison in der Schachbundesliga verfügen wir jetzt über mehr Erfahrung“, sagt Raps. Die Spieler kennen die besonderen Anforderungen der Liga bereits, haben erlebt, wie eng die Abstände im Tabellenkeller sein können, und wissen, dass einzelne Mannschaftspunkte über den Verbleib in der Klasse entscheiden können.

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Brett 1: Maxim Rodstein

Das gilt insbesondere für den Saisonstart. Bad Mergentheim trifft zunächst auf den Düsseldorfer SK und die Schachfreunde Berlin – zwei Mannschaften, die Raps ebenfalls im Kampf gegen den Abstieg erwartet. Danach folgt das Duell mit dem verstärkten SK Kirchweyhe. Diesen Gegner zählt der Teamchef dagegen nicht zu den Abstiegskandidaten.

Damit ist die Zielsetzung klar umrissen: Bad Mergentheim möchte nicht nur möglichst lange mithalten, sondern von Beginn an gegen die unmittelbare Konkurrenz punkten. „Punkte gegen die direkte Konkurrenz zum Start wären für uns natürlich wichtig“, sagt Raps.

Dreierwochenenden mit weniger Reisen

Auch das neue Bundesliga-Format bewertet man in Bad Mergentheim positiv. Die fünf Wochenenden mit jeweils drei Runden bedeuten zwar teilweise zusätzliche organisatorische Herausforderungen, gleichzeitig reduzieren sich die Reiseaufwendungen. Für einen Verein, der seine Bundesliga-Mannschaft mit vielen kleineren Sponsoren finanziert und bewusst ohne einen einzelnen Großsponsor auskommt, ist dieser Aspekt nicht unwichtig.

„Der neue Spielplan gefällt mir gut. Es kommen weniger Reisen und damit auch weniger Kosten auf uns zu“, erklärt Raps. Problematisch könne allerdings werden, dass Spieler für die Freitagsrunde teilweise Urlaub nehmen müssen. Die jeweils drei aufeinanderfolgenden Runden hätten aus seiner Sicht aber auch einen sportlichen Reiz: Sie vermittelten „etwas mehr Turnieratmosphäre“.

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Erfahren im Duell mit Topspielern: Valerij Kazakovskiy gegen Maxime Vachier-Lagrave.

Am Ende bleibt für Raps ohnehin eine andere Variable entscheidend: die jeweilige Aufstellung. Gerade in der Bundesliga können sich die Kräfteverhältnisse von Spieltag zu Spieltag erheblich verändern. Ob ein Gegner mit seiner stärksten Formation antritt oder auf einzelne Spitzenspieler verzichten muss, kann für den Ausgang einer Begegnung entscheidend sein.

Attraktive Heimkämpfe

Besonders freuen sich die Bad Mergentheimer auf die Heimauftritte. Mit Bayern München und Werder Bremen stehen unter anderem namhafte Gegner auf dem Programm, außerdem kommt es zum Duell mit dem Mitaufsteiger aus Remagen-Sinzig. Der Verein hofft darauf, die Bundesliga auch außerhalb des eigentlichen Mannschaftskreises stärker in der Stadt zu verankern.

Im Vergleich zum ersten Bundesliga-Auftritt habe sich das öffentliche Interesse bereits spürbar verändert. „Das Interesse der Öffentlichkeit war beim ersten Aufstieg sehr verhalten, ist jetzt deutlich mehr geworden – dank eines umtriebigen Journalisten vor Ort“, berichtet Raps. Bei den vergangenen Heimkämpfen habe sich gezeigt, welches Potenzial die Begegnungen besitzen. Viele Zuschauer kamen in die Halle, und auch im Alltag werde das Thema Bundesliga inzwischen wahrgenommen. „Man wird auch in der Stadt immer wieder gefragt: Wie läuft’s?“

An diese Entwicklung möchte der Verein anknüpfen. Die Heimspiele sollen nicht nur sportliche Höhepunkte sein, sondern auch dazu beitragen, Bad Mergentheim als Bundesliga-Standort stärker sichtbar zu machen.

Kein großer Sprung, sondern nachhaltige Entwicklung

Finanziell bleibt der Verein dabei auf einem bodenständigen Fundament. Bad Mergentheim verfügt über zahlreiche kleinere Sponsoren, aber nicht über einen einzelnen großen Geldgeber. Das sorgt für eine breite Basis, setzt dem finanziellen Spielraum allerdings auch Grenzen.

„Wir haben viele kleine Sponsoren, keinen großen. Das ergibt ein klares Finanzierungskonzept, das aber auch keine großen Sprünge ermöglicht“, beschreibt Raps die Situation. Ein grundlegender Umbau der Mannschaft mit teuren Spitzenspielern passt daher weder zum finanziellen Rahmen noch zum sportlichen Konzept.

Stattdessen soll die bestehende Mannschaft weiter zusammenwachsen. Die jungen Spieler bekommen die Möglichkeit, sich gegen die stärksten Teams Deutschlands zu messen, während die erfahrenen Akteure für Stabilität sorgen. Der Wiederaufstieg hat gezeigt, dass dieses Modell funktionieren kann. Nun steht der deutlich schwierigere nächste Schritt bevor.

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Die litauische Achse ist fest verankert im Verein: Paulius Pultinevicius (oben gegen Frederik Svane) und Tomas Laurusas (unten gegen Matthias Blübaum).

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Das Ziel formuliert Johannes Raps deshalb ohne Umschweife: „Unser Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt und ich würde mich riesig freuen, wenn wir den am Ende der Saison feiern könnten.“ Bad Mergentheim geht damit nicht als Mannschaft auf große Einkaufstour in die zweite Bundesliga-Saison, sondern als gewachsenes Team, das seine Chance vor allem in der eigenen Geschlossenheit sieht. Der direkte Wiederaufstieg war der erste Schritt. Jetzt soll daraus ein dauerhafter Platz in der Bundesliga werden.

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