Kunst an den Wänden und auf den Brettern: Bundesliga in Solingen
Die SG Solingen hat an den Spieltagen 5 und 6 den deutschen Meister Düsseldorf, den Vizemeister Viernheim und Aufsteiger Wolfhagen empfangen. Spielort war der Meistermannsaal im Kunstmuseum. Das Museum ist ein Zentrum für verfolgte Künste. Ausgestellt werden dort Arbeiten von Künstlern, die während der Nazi-Diktatur verfolgt wurden. Ihre Werke wurden als entartete Kunst beschimpft.
Schach trifft Kunst: Das Kunstmuseum bietet eine einzigartige Atmosphäre. | Fotos: Hans-Joachim Vitz
„Wir spielen hier zum ersten Mal. Wir sind sehr angetan von den Räumlichkeiten“, sagte Dr. Stefan Spiegel, der Organisator der Viernheimer Mannschaft. Seit rund zehn Jahren ist Spiegel Ansprechpartner für die Spieler. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch die Arbeitsintensität gesteigert. „Ich kümmere mich um die Anreise, die Hotels, die Transfers und die Restaurants. Außerdem informiere ich die Spieler, wann sie wo sein müssen“, berichtet er. Gern erinnert er sich an die Meisterfeier 2024 in einem spanischen Restaurant in Hannover. „Mein schönster Moment aber ist am Freitagabend, wenn wir im Restaurant sitzen und ich gucke auf acht Großmeister, die am Wochenende spielen werden“, betonte er.
Viernheim hat an den beiden Spieltagen seine weiße Weste behalten. Mit einem knappen 4,5: 3.5- Sieg gegen Solingen und einem 6,5:1,5-Erfolg gegen Düsseldorf konnte die Tabellenspitze verteidigt werden. „Die Saison ist nach wie vor sehr spannend. Unser bisheriger Rang ist sehr gut, aber abgerechnet wird am Schluss“, mahnte Stefan Martin, der Teamchef und Vorsitzende des Vereins.
Wenn die Südhessen spielen, ist Ilja Zaragatski stets dabei. Der Großmeister streamt im Auftrag des Vereins die Viernheimer Partien live auf den Internetkanälen Twitch und Youtube. Er analysiert die Spiele für das Publikum. Nach Beendigung der Partien kommen die Spieler hinzu und erklären ihre Ideen. „Vor ein paar Jahren haben wir damit angefangen. Aber manchmal haben wir vor Ort Probleme mit dem Internetempfang. Zur Not kann ich mich mit mobilen Daten hotspotten, wenn das W-Lan funktioniert“, sagte Zaragatski. Fast hundert Zuschauer verfolgen im Durchschnitt den Stream, darunter auch viele internationale Fans. In Solingen wurde Zaragatski von Angelika Valkova unterstützt, die auch als AngelikaChessborn auf Twitch streamt. Rund 14.000 Menschen folgen ihr dort.
„Ich bin sehr glücklich“
Ein Bundesliga-Debüt gab es in der Düsseldorfer Mannschaft: Der 16-jährige Hewei Li traf am 8. Brett auf den mit rund 360 Elo-Punkten höher bewerteten Wolfhagener Großmeister Volodymyr Vetoshko. Dabei konnte er ein respektables Remis erringen. „Ich bin sehr glücklich. Eigentlich war ich schon glücklich, dass ich spielen durfte. Ein Remis zu holen, fühlt sich sehr gut an“, freute sich Li, der im Verein als Jugendsprecher aktiv ist.
Am Sonntag traf er auf Dennis Wagner, der allerdings zu stark war. „Heute habe ich eine sehr schöne Partie gespielt. Gestern habe ich Remis gespielt, da war wahrscheinlich mehr drin. Mein Gegner hat sehr gut gespielt. Es ist insgesamt okay. Aber ich wäre schon gern mit 2 aus 2 hier raus gegangen“, beschrieb Wagner sein Wochenende. Der hauptberufliche Software-Entwickler versucht, so viel Schach wie möglich zu spielen. Die Bundesliga passt für ihn perfekt, da am Wochenende gespielt wird. Zu Hause analysiert er Eröffnungen mit seiner Frau Dinara, die die deutsche Rangliste der Frauen anführt, oder spielt mit ihr Trainingspartien.
„Es ist mir unangenehm“
Eine Premiere gab es auch bei Gastgeber Solingen. Schachbundesliga-Präsident Markus Schäfer kam erstmals in dieser Saison zum Einsatz. Mit einem Remis und einem Sieg am Sonntag trug er wesentlich zum 4:4 gegen Wolfhagen bei.
Einen Punkt steuerte auch David Navara bei, allerdings etwas unerwartet: Sein Gegner, der ukrainische Großmeister Andreij Volokitin, überschritt nach 32 Zügen die Zeit. „Ich hatte Glück, dass Andreij Volokitin die Zeit überschritten hat. Die Stellung war kompliziert. Meine Stellung war nicht gut. Aber ich versuchte sie zu verkomplizieren. Mir ist es unangenehm, auf diese Weise zu gewinnen. Gestern habe ich eine gute Partie gegen Mamedyarov gespielt“, sagte der tschechische Großmeister.
Die nächsten Spieltage sind am 28. Februar und am 1. März 2026.



