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„Besser als Piket“ - Bundesligawochenende in Düsseldorf

Nachdem die ersten vier Spieltage in der höchsten deutschen Klasse absolviert sind, standen nun  die Spieltage elf und zwölf auf dem Programm. Sie sollten eigentlich im April stattfinden, hätten sich aber mit der Europameisterschaft in Polen überschnitten. Um das zu vermeiden, fanden sie nun  am 10. und 11. Januar statt. Der deutsche Meister Düsseldorf hatte Reisepartner SG Solingen, USV TU Dresden und SF Berlin zu Gast. Schnee und Eis erschwerten die Anreise der Spieler.

Konzentriertes Nachdenken: Düsseldorf trifft auf Berlin. | Fotos: Hans-Joachim Vitz

Als Letzter gekommen, als Erster gewonnen

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Ravi Haria (li.) fand ein schönes Läuferopfer.

Für die Düsseldorfer sollte der englische Großmeister Ravi Haria am Freitag anreisen. Als er abfliegen wollte, startete eine Flugzeugturbine nicht. So musste er am Samstag fliegen und landete erst um 13.20 Uhr in Düsseldorf. Danach habe Haria noch eine lange Passkontrolle über sich ergehen lassen müssen, erklärte Düsseldorfs Vorsitzender Jan Werner. Scheinbar ungerührt kam Haria eine Viertelstunde zu spät ans Brett und gewann als Erster. Ein schönes Läuferopfer auf h7 schwächte die Königsstellung seines Gegners Hans Möhn derart, dass der Dresdner FIDE-Meister nach wenigen Zügen aufgab. Am Ende siegte der deutsche Meister mit 5,5:2,5.

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Ausgeglichene Stellung: Jan Klimkowski (li.) und Loek Van Wely

Ziel erreicht

Die SG Solingen bezwang im zweiten Spiel des Tages die Schachfreunde Berlin mit 5:3. Der niederländische Großmeister Loek Van Wely traf auf den polnischen GM Jan Klimkowski und kam über ein Remis nicht hinaus. „Ich hatte Weiß und 100 Elo-Punkte mehr, deshalb habe ich etwas mehr erwartet“, sagt Van Wely leicht enttäuscht. Insgesamt ist seine Form jedoch aufsteigend. In der Weltrangliste wird er wieder unter den Top 100 geführt. „Unter den Top 100 zu sein, ist schön, aber für mich nicht so wichtig. Ich habe nur ein Ziel und das ist, eine höhere Elozahl zu haben als Jeroen Piket. Er sitzt seit 2002 auf seinen 2624. Jetzt habe ich 2628“, erzählt er mit einem Augenzwinkern.

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Alexander Naumann (re.) und Ilja Schneider einigten sich auf Remis.

„Es wird schwieriger, oben mitzuspielen“

Ein Remis steuerte auch Alexander Naumann gegen Ilja Schneider bei. „Die Partie war ausgeglichen, Weiß hat etwas Druck gehabt. Aber es war gut“, erläutert er. Seit 1999 spielt er für Solingen. „Die Bundesliga ist stärker geworden. Es wird immer schwieriger, oben mitzuspielen“, sagt der hauptberufliche Apotheker. Inzwischen nimmt Schach für ihn nur noch wenig Raum ein. Die Bundesliga-Kämpfe jedoch nimmt er ernst und bereitet sich sorgfältig darauf vor. Einmal im Jahr spielt er bei der Offenen Internationalen Bayrischen Meisterschaft am Tegernsee mit. „Aber das ist mehr Urlaub.“

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Magnus Ermitsch (re.) trug mit seinem Unentschieden zum ersten Saisonsieg der Berliner bei.

„Schön, gegen starke Spieler zu spielen“

Seine erste Niederlage in der Bundesliga musste der 16-jährige IM Magnus Ermitsch gegen Florian Handke hinnehmen. „Ich bin nicht gut aus der Eröffnung gekommen. Und am Ende habe ich die Partie mit g5 eingestellt“, erklärt das Berliner Talent. Mit 3,5 Punkten aus sechs Partien weist er eine respektable Zwischenbilanz in seiner ersten Bundesliga-Saison auf. „Ich bin in dieser Saison von Kiel zu den Schachfreunden gewechselt. Es ist schön, neue Erfahrungen zu sammeln und gegen so starke Spieler spielen zu können“, sagt er. Schwieriger ist es für ihn, Schulfreistellungen für große Turniere zu bekommen. Der Elftklässler befindet sich in der Abiturphase und in den Klausurwochen hat er weniger Zeit zum Schachspielen. „Aber zu den Bundesliga-Wochenenden habe ich immer Zeit.“ Am Sonntag trug Magnus Ermitsch mit einem Remis gegen Felix Levin zum 5:3 Erfolg der Berliner gegen den Düsseldorfer SK bei.

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Florian Handke (re.) siegte schnell gegen David Fruth.

„Happy mit dem Wochenende“

Ermitsch-Bezwinger Florian Handke war auch gegen Dresden erfolgreich. Die SG Solingen gewann 6,5:1,5 gegen die Elbstädter. Handke setzte sich dabei gegen David Fruth durch. „Heute ist es ziemlich schnell gegangen. In der Eröffnung habe ich vielleicht nicht optimal gespielt. Mein Gegner hat dann einen taktischen Fehler gemacht und dann konnte ich mit einem hübschen Trick direkt gewinnen. Ich bin mit dem Wochenende happy“, beschreibt Handke seine Partie. Auch für ihn besteht das Leben nicht nur aus Schach. „Ich bin jetzt mehr mit Beruf und Familie beschäftigt, so dass ich nicht mehr so viel spiele. Ich würde es gern, aber im Moment geht es nur in der Bundesliga“, sagt er.

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Liviu-Dieter Nisipeanu (li.) remisierte gegen Erwin L'Ami.

„Ich habe uninspiriert gespielt“

Liviu-Dieter Nisipeanu reiht sich ein in die Riege der Halbprofis. Der 49-Jährige spielt für Dresden und remisierte beide Partien an diesem Wochenende. „Ich habe uninspiriert gespielt. Leider habe ich keine Eröffnungen und das spüre ich. Ich trainiere jetzt mit Kindern und da spielt man mehr Mittel- und Endspiele. Mir fehlt auch die Praxis. Ich spiele hier und in Österreich in der Bundesliga. Aber mehr auch nicht“, sagt Nisipeanu. Er lebt in Bukarest und arbeitet für den rumänischen Schachverband. Dort trainiert er 10 bis 16-Jährige. „Bundesliga werde ich weiterhin spielen.“

Das nächste Bundesliga-Wochenende findet am 7. und 8. Februar statt.

Nation
ROU
Titel
GM
Elo
2580
DWZ
2593
Punkte
1
Partien
2
Nation
NED
Titel
GM
Elo
2628
DWZ
2587
Punkte
3
Partien
4
Nation
GER
Titel
GM
Elo
2481
DWZ
2450
Punkte
3
Partien
4
Nation
GER
Titel
GM
Elo
2520
DWZ
2503
Punkte
2.5
Partien
4
Nation
ENG
Titel
GM
Elo
2493
DWZ
2508
Punkte
1
Partien
2
Nation
GER
Titel
IM
Elo
2430
DWZ
2429
Punkte
3.5
Partien
6

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