Europäischer Club Cup: SF Berlin auf Platz 15
Die Schachfreunde Berlin und der FC St. Pauli schickten jeweils ein Team zum Europäischen Club Cup. Die offene Sektion gewann das türkische Team Bayegan Pendik Chess Sports Club (u.a. mit Anis Giri und dem St. Pauli-Spieler Richard Rapport). Das Berliner Team begann das Turnier von Startplatz 15 ausgehend und erreichte nach der siebten Runde auch den 15. Platz. Der FC St. Pauli wurde auf Startplatz 39 gesetzt und beendete das Turnier auf Platz 38. Das größte Eloplus erreichten Emil Schmidek (SF Berlin) und Triona Eberle (FC St. Pauli) in den beiden Mannschaften.
SF Berlin mit Marius Fromm am Spitzenbrett besiegt Multi Essence (Runde 2) | Foto: Mark Livshitz / ECU
SF Berlin: Schmidek und Czernek glänzen in Budva
Die beste Platzierung der Bundesligavereine beim Europäischen Club Cup erreichten die Schachfreunde Berlin. Mit 5 Siegen und 2 Niederlagen erreichten die Berliner 10 Mannschaftspunkte und den 15. Platz. Damit war das Team punktgleich mit den Mannschaften von Platz 10 bis Platz 18. Zum Vergleich: Vugar Gashimov (Aserbaidschan) mit Aydin Suleymanli und Rauf Mamedov an den ersten beiden Brettern erreichte den 10. Platz mit 10 Mannschaftspunkten, aber besserer Zweitwertung.
Die stärksten Gegner, die die SF Berlin sich gegenüber sitzen hatten, kamen vom nordmazedonischen Alkaloid. Alkaloid trat mit Arjun Erigaisi und Wei Yi an. Obwohl Alkaloid 4,5:1,5 gewann, haben die Berliner trotzdem bei dieser Begegnung in der dritten Runde glänzen können! Trotz wesentlich höherer Elozahlen der Gegner erreichten Emil Schmidek, Tymon Czernek und Reiner Polzin Remis.

Emil Schmidek entlockte Aravindh Chithambaram ein Remis, Tymon Czernek spielte mit Schwarz Remis gegen Abhimanyu Puranik und Rainer Polzin glückte ein Remis gegen Aleksandar Indjic. Trotz Teamniederlage waren dies starke Einzelergebnisse!
Die Schachfreunde Berlin gewinnen gegen den FC St. Pauli
In der vierten Runde des Europäischen Club Cups traten die beiden Bundesligavereine gegeneinander an. Die Schachfreunde Berlin waren nach Startrang die Favoriten bei dieser Begegnung und gewannen 4:2 gegen den FC St. Pauli. Zwei ganze Brettpunkte sammelte der FC St. Pauli dennoch ein. Besonders Can Ertan kann sich nach seinem Sieg gegen Magnus Ermitsch auf die Schulter klopfen. Im Duell zwischen den beiden Internationalen Meistern hatte Can Ertan 108 Elopunkte weniger und doch gewann er die Partie. Am Spitzenbrett des Mannschaftskampfs besiegte Aljoscha Feuerstack vom FC St. Pauli seinen Kontrahenten Marius Fromm. Alle weiteren Partien gewannen die Berliner Spieler, wodurch sie auch das Match gewannen.

Die Partie zwischen Aljoscha Feuerstack und Marius Fromm am ersten Brett wurde in einem Turmendspiel in hoher Zeitnot entschieden, in dem Feuerstack bereits einen Mehrbauern hatte. Fromm aktivierte seinen König und lief ins Zentrum, doch das kostete ihm die Chancen auf ein Remis.
Insgesamt setzten die SF Berlin sieben Spieler an den sechs Brettern beim Europäischen Club Cup ein. Von diesen sieben Spielern machte der Internationale Meister Emil Schmidek die größten Elosprünge nach vorne. Ein Eloplus von 14,5 Punkten wird von diesem Turnier erwartet. Emil Schmidek (Brett 3) und Tymon Czernek (Brett 4) erkämpften sich beide 5,5 Punkte aus sieben Runden und blieben beide auch ungeschlagen! Schmidek und Czernek konnten 4 Siege und 3 Remis verbuchen. Dass Schmidek 14,5 Elopunkte dazubekommt und Czernek "nur" 8 Elopunkte, liegt daran, dass Czernek an Brett 4 Gegner mit einer geringeren Elo sich gegenübersitzen hatte. Der Gegnerschnitt von Schmidek lag bei 2365 und der Gegnerschnitt von Czernek lag bei 2277. Schmidek erreichte eine Turnierperformance von 2595 Elopunkten und Czernek von 2509 Elopunkten.
Teamaufstellung der Schachfreunde Berlin

In den Einzelergebnissen von Emil Schmidek und Tymon Czernek stechen besonders die Remis gegen Aravindh Chithambaram und Abhimanyu Puranik hervor. Aber auch die konstanten Ergebnisse gegen die Spieler mit 2300er und 2400er Elo spielen mit in die positive Turnierperformance der beiden Spieler rein.
Einzelergebnisse von Emil Schmidek und Tymon Czernek

Emil Schmidek ist auch in der Bundesliga Teil des Kaders der SF Berlin, wobei er die Saison in der Oberliga Ost für die SF Berlin 2 begann. Tymon Czernek ist nur in der zweiten Mannschaft gemeldet, steht da aber immerhin bei 2 Punkten aus 2 Partien!
Platz 38 für den FC St. Pauli
Im Vergleich zum Startrang konnte der FC St. Pauli einen Platz gutmachen. Das sechsköpfige Team startete von Platz 39 ins Turnier und erreichte am Ende den 38. Platz mit 8 Punkten. Zwischen Platz 29 und Platz 51 befanden sich die Mannschaften, die auch acht Mannschaftspunkte in den sieben Runden ergattert hatten. Vier Siege und drei Niederlagen sorgten für den Punktestand von 8 Punkten. Die stärksten Gegner, die das Hamburger Team sich gegenübersitzen hatte, kam aus Aserbaidschan, Vugar Gashimov mit Aydin Suleymanli. Die Begegnung fand in Runde 6 statt.

Das aserbaidschanische Team Vugar Gashimov als Favorit der Begegnung gewann 5:1 gegen den FC St. Pauli. An allen sechs Brettern hatten die aserbaidschanischen Spieler eine höhere Elo und doch schafften es Jonah Krause und Triona Eberle vom FC St. Pauli ihren Gegnern ein Remis zu entlocken. Jonah Krause spielte Remis gegen Shiroghlan Talibov und Triona Eberle remisierte gegen Kanan Garayev. Die Partie gegen Aydin Suleymanli brachte Aljoscha Feuerstack die einzige Niederlage des Turniers. Auch Triona Eberle verlor insgesamt nur eine Partie.
Teamaufstellung des FC St. Pauli

Mit fünf Punkten in sieben Partien sammelte Aljoscha Feuerstack die meisten Brettpunkte für das Punktekonto ein. Bei einem Gegnerschnitt von 2346 Elopunkten erreichte er eine 2504er Turnierperformance. Das größte Eloplus macht Triona Eberle durch ihre Leistung beim Europäischen Club Cup. Wie ihre Teamkollegen Can Ertan und Jonah Krause erreichte sie 4,5 Punkte aus 7 Einsätzen. Bei einem 2134 Gegnerschnitt und einer 2236er Performance (und einem K-Faktor von 20) macht sie ganze 27 Elopunkte gut!
In der Bundesliga verzichtet der FC St. Pauli in dieser Saison auf Aljoscha Feuerstack. Stattdessen tritt er in der Oberliga für die zweite Mannschaft an. Jonah Krause und Triona Eberle sind vom FC St. Pauli-Team in Budva auch Teil der Bundesligamannschaft. Mit 4,5 aus 7 erreichte auch Jonah Krause ein Eloplus. Er machte 4 Elopunkte gut. Sein Bruder Benedict Krause setzte das Turnier in Montenegro aus, steht dafür schon bei 3 Einsätzen (und dabei 2 Remis) in der Bundesliga für den FC St. Pauli. Triona Eberle feierte ihren Auftakt in der Bundesliga in der vergangenen Saison während der Endrunde. Wie viele Einsätze sie in der aktuellen Saison in der ersten Mannschaft bekommt, wird sich zeigen.
Die Starspieler des FC St. Pauli beim Europäischen Club Cup
Die Großmeister mit Elo über 2500 der Bundesligavereine nahmen entweder nicht am Turnier teil oder traten für andere europäische Teams an. Neuzugang Richard Rapport beim FC St. Pauli gewann beispielsweise das Turnier mit dem türkischen Verein Bayegan Pendik Chess Sports Club. Venkatesh Pranav nahm mit dem nordmazedonischen Team Elektroprivreda teil und gewann dabei u.a. gegen Anish Giri. Ein weiterer Starspieler des FC St. Pauli, der Franzose Marc'Andria Maurizzi, erkämpfte sich Einzelgold für seine Leistungen am ersten Brett des französischen Aix-en-Provence, wo er mit Etienne Bacrot (OSG Baden-Baden) spielte. Maurizzi blieb ungeschlagen, erreichte 6 Punkte in 7 Partien und hatte eine 2837er Turnierperformance. Teamsilber bekam Jonas Buhl Bjerre mit der tschechischen Mannschaft Novy Bor Chess überreicht.
Die Abschlusstabelle der offenen Sektion (Top 20)
Die offene Sektion gewann Bayegan Pendik (u.a. mit Richard Rapport, Shakhriyar Mamedyarov und Volodar Murzin), Platz 2 ging an Novy Bor Chess (u.a. mit David Navara und Jonas Buhl Bjerre, Nihal Sarin, Harikrishna Pentala, Nodirbek Yakubboev und David Anton). Auch SuperChess Romania trat mit einigen Bundesligaspielern an. Nodirbek Abdusattorov, Alexey Sarana, Parham Maghsoodloo und Jorden van Foreest waren vom SC Viernheim dabei und Haik Martirosyan vom SV Werder Bremen.
Matthias Blübaum, der Neuzugang bei der OSG Baden-Baden ist, erreichte mit Tuxera Aquaprofit Nagykanizsai den fünften Platz. Neben ihm waren bei Tuxera Aquaprofit auch Benjamin Gledura, Andrej Volokitin (beide SC Remagen Sinzig) und Ihor Samunenkov (Werder Bremen) dabei.
Alkaloid, u.a. mit Arjun Erigaisi (SV Deggendorf), Aravindh Chithambaram (SC Viernheim), Aleksandar Idjic (SV Deggendorf) und Velimir Ivic (Werder Bremen), war an Startrang 2 gelistet, beendete das Turnier auf Platz 6. Das aserbaidschanische Team Vugar Gashimov mit Aydin Suleymanli und Rauf Mamedov nahm Platz 10 ein.
... zur Gesamttabelle aller 108 Teams (Chess-Results.com)
Die Abschlusstabelle der Sektion der Frauen
In der Sektion der Frauen gewann Cercle d'Echecs de Monte-Carlo (u.a. mit Elisabeth Pähtz, Humpy und Pia Cramling) erneut das Turnier. Aus Sicht der (offenen) Schachbundesliga sind u.a. die Ergebnisse von CE Gambit Bonnevoie (mit Klaudia Kulon, SK Kirchweyhe), SuperChess Romania (mit Dinara Wagner, SC Viernheim), Gambit ASEE (mit Angelika Valkova, Co-Kommentierung des Livestreams des SC Viernheim), Klub Kölner Schachfreunde (mit Katharina Reinecke, Co-Kommentierung des zentralen Bundesliga-Livestreams) interessant.

Klaudia Kulon erreichte mit CE Gambit Bonnevoie die Silbermedaille für das Teamergebnis und die Bronzemedaille für ihre Leistung am zweiten Brett. Sie erreichte 4,5 Punkte in 7 Partien. U.a. spielte sie Remis gegen Humpy und gewann gegen Dinara Wagner.

Bodhana Sivanandan jüngste weibliche Spielerin mit IM-Titel
Das englische Jugendtalent, Bodhana Sivanandan erreichte in diesem Turnier ihre letzte IM-Norm und Überschritt gleichzeitig die Elogrenze für den IM-Titel und wurde damit das jüngste Mädchen mit IM-Titel. Sie brach den vorherigen Rekord von Judit Polgar. Außerdem ist sie unabhängig des Geschlechts unter den 10 jüngsten Personen mit IM-Titel (7. Platz, jünger als Gukesh als er den Titel erreichte). Noch ist Bodhana Sivanandan keine Spielerin in der Schachbundesliga. Beim Hamburger SK spielt sie in der zweiten Mannschaft in der 2. Bundesliga und im ersten Team in der Frauenbundesliga. Dass der 11-jährige Star auch Spielerin in der Schachbundesliga wird, ist sicherlich nur noch eine Frage der Zeit...
Das nächste Wochenende der Schachbundesliga findet vom 13.11. bis zum 15.11. statt. Gastgeber sind die OSG Baden-Baden, die SF Bad Mergentheim, die SF Berlin und die SG Solingen.
Weitere Informationen über den Europäischen Club Cup
- Offizielle Turnierseite
- Chess-Results.com: Offene Sektion, Sektion der Frauen
- Partien: Lichess.org, Chess.com
- Vorschau: FC St. Pauli und SF Berlin beim Europäischen Club Cup



