9. Spieltag: Viernheim vergrößert seinen Vorsprung
Die drei wichtigsten Kämpfe waren am 9. Spieltag zuerst beendet und Viernheim jubelt. Denn neben dem eigenen 5,5:2,5 gegen den FC Bayern München konnten sich die Südhessen auch noch über einen weiteren Punktverlust der OSG Baden-Baden freuen, die nur 4:4 gegen Vorjahresmeister Düsseldorf spielten. Ebenfalls relativ früh zu Ende war das Abstiegsduell zwischen dem MSA Zugzwang und den Schachfreunden Berlin. Auch dieser Kampf endete 4:4.
Im Kulturhaus Lichtentaler Allee 8 (LA8) trifft der vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelte SC Heimbach-Weis-Neuwied an diesem Wochenende gleich auf drei Mannschaften, die schon deutsche Meistertitel auf ihrem Briefbogen führen: Gastgeber OSG Baden-Baden, SG Solingen, Düsseldorfer SK. | Foto: Jan Werner
Viernheim kann dem Saisonfinale weiter entlassen entgegensehen: Gegen den FC Bayern München gab es einen weiteren souveränen 5,5:2,5-Sieg. Dennis Wagner und Igor Kovalenko verschafften dem Team bei drei Remisen an den Brettern 2, 4 und 7 mit ihren Siegen die nötige Sicherheit. Zwei Generationen deutscher Großmeister trafen dabei an Brett 6 aufeinander. Der Routinier und Rekordbundesligaspieler Klaus Bischoff brachte mit dem Wolga-Gambit eine heutzutage eher selten zu sehende Eröffnung aufs Brett. Doch der 36 Jahre jüngere gebürtige Wagner ließ sich nicht von der Eröffnungswahl seines Gegners überraschen und stand schnell besser. Diesen Vorteil baute er stetig aus und gewann die Partie ungefährdet nach 27 Zügen.
In Baden-Baden gab es bei der Partie Donchenko gegen Swinkels das erste Remis des Tages und auch die Partie zwischen Twan Alexander Burg endete ebenfalls schnell ohne Sieger. Einen geradezu sensationellen Verlauf nahm aber die Partie zwischen Alexei Shirov und Arthur Pijpers. Der Niederländer hatte sich offenbar perfekt vorbereitet und erwischte den ehemaligen Top-Ten-Spieler auf dem falschen Fuß:
Nachdem dann auch Brett 8 zwischen Bennet Hagner und Andry Orlov Remis ausgegangen war, liefen nur noch die Bretter 1 bis 4. Aber auch amTopbrett einigten sich Volodar Murzin, der Schnellschachweltmeister von 2024, und der französische Spitzenspieler Maxime Vachier-Lagrave auf eine Punkteteilung. Die Düsseldorfer lagen also bei noch drei laufenden Partien überraschend mit 3:2 in Führung. Sollte die OSG noch einen weiteren Punkt im Titelkampf einbüßen? Ein spannender Kampf war in vollem Gange.
Nach dem Sieg von Nihal Sarin gegen Antonios Pavilidis und dem Remis zwischen Rustam Kasimdzhanov gegen Mikhail Kobalia stand es 3,5:3,5. Caspar Schoppen auf Düsseldorfer Seite hatte lange Zeit schlechter und im 36. Zug sogar auf Verlust gestanden. Nikita Vitiugov auf Baden-Badener Seite hatte seine Chancen aber nicht genutzt und nach 43 Zügen war ein ausgeglichenes Endspiel entstanden, bei dem die Figurenaktivität Schoppens seine Minusqualität absolut kompensierte:
Auch ohne Arjun Erigaisi können die Deggendorfer punkten. Mit etwas mehr Glück hätte es auch zum Sieg gegen Wolfhagen reichen können. Denn die Bayern führten 4:3. Zwar stand Volodymyr Onyshchuk meist auf Gewinn, doch gab er Boban Bogosavljevic auf Deggendorfer Seite mehrfach die Gelegenheit dem Ausgleich ein ordentliches Stück näherzukommen, was dieser aber im Endspiel mit ungleichen Läufern und Minusbauern versäumte. Am Ende behielt der Wolfhagener die Oberhand und sicherte den Nordhessen das 4:4. So verpassten sie es, mit den Baden-Badenern gleichzuziehen, vergrößerten aber den Vorsprung auf den FC Bayern München auf Rang 4.
Die Schachfreunde Berlin traten als Vorletzter gegen den Drittletzten MSA Zugzwang an. Nominell waren die Münchener leicht im Vorteil, aber die Hauptstädter gingen in Führung: Maxim Vavulin schlug an Brett 3 Dominik Horvath in nur 19 Zügen. Den 2:2-Ausgleich, nachdem die Bretter 1 und 7 Remis endeten, stellte Vitaly Kunin her. Er schlug den U16-Vize-Europameister Lukas Dotzer aus Österreich mit einem überzeugenden Königsangriff:
Emil Schmiedek brachte die Berliner wieder in Führung, worauf Leonardo Costas Sieg für den 4:4-Endstand sorgte, da die übrigen Partien unentschieden endeten. Angesichts des prekären Tabellenstandes dürften beide Teams dem nicht gewonnenen Punkt nachtrauern. Allerdings haben auch beide noch durchaus schlagbare Gegner in ihrem Restprogramm.
Die Bretter 4, 5 und 7 endeten schnell Remis. Danach entwickelte sich aber ein spannender Kampf. Jonas Bjerre am Topbrett und Aljoscha Feuerstack sorgten für die wichtigen Punkte zum Mannschaftserfolg. Elham Amar verlor an Brett 3 gegen Erik van der Dool. Amar hat bei sieben Partien lediglich eine Remispartie auf dem Konto. Drei Siegen stehen seit heute auch drei Niederlagen gegenüber. Beim Auf und Ab vor der Zeitkontrolle hatte der Niederländer letztlich das bessere Händchen und fuhr den Punkt dann souverän ein. Den umgekehrten Verlauf aus der Sicht von St. Pauli nahm die Partie an Brett 1, die Bjerre in der Zeitnotphase für sich entschied. Feuerstack hingegen zeigte seine Stärke erst nach der Zeitkontrolle und ließ sich den Punktgewinn in besserer Stellung nicht mehr nehmen.
Ganz sicher kann sich der SC Heimbach-Weis-Neuwied noch nicht sein, was den Klassenerhalt angeht. Nach dem Punktgewinn des MSA Zugzwang hat der SC nur noch drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone. Das knappe 3,5:4,5 schmerzt daher umso mehr. Insgesamt fünf entschiedene Partien zeigen, dass es ein hart umkämpfter Mannschaftskampf war. Die Solinger haben mit 12:10 Punkten einen komfortablen Platz im oberen Mittelfeld.
Im Nordderby endeten alle acht Partien mit einer Punkteteilung. Dem HSK kann es recht sein, bleibt doch der Abstand zu den Abstiegsplätzen gleich und mit Heimbach-Weis-Neuwied konnte durch den Punktgewinn ein Konkurrent überholt werden. Die aufregendste Partie in einem sehr ausgeglichenen Mannschaftskampf war wohl die zwischen Luis Engel und Bobby Sky Cheng. Engel stand dabei lange Zeit deutlich besser, bzw. klar auf Gewinn, konnte den Vorteil aber nicht in einen vollen Punkt verwandeln. Da auch Nico Zwirs gegen Jari Reuker lange Zeit klar besser stand, kann der SV Werder sich wohl etwas mehr über diese Punkteteilung freuen. Nicht zuletzt auch, weil das Team seinen Platz in der oberen Tabellenhälfte mit ausgeglichenem Punktekonto behält.
Vor dem Spieltag hatte auch Deizisau nur vier Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz. Mit dem 4,5:3,5-Sieg gegen den Tabellenletzten aus Dresden haben die Deizisau aber wohl (fast) alle Zweifel am Klassenerhalt beiseite wischen können. Gegen die Sachsen trat man wenig überraschend ohne Matthias Blübaum an, der sich gerade im Endspurt der Vorbereitung auf das nächste Wochenende beginnende Kandidatenturnier befindet. Den wichtigen letzten halben Punkt eroberte Dimitrij Kollars beim Stand von 4:3. Zwar versuchte er noch lange, das Endspiel mit Turm und Läufer gegen Turm zu gewinnen, ohne das es ihm gelang, doch das Remis reichte letztlich zum 4,5:3,5-Sieg für die Deizeisauer. Matchwinner waren Daniel Dardha und Zdenko Kozul, die die überraschende Niederlage Ruben Gideon Köhlers gegen Hans Möhn mehr als wett machten.
Tabelle nach 11 Spieltagen:
Ihre Premium-Testphase ist beendetIhre Premium-Testphase ist beendet



