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Endrunde in Berlin: Viernheim zieht davon

Vier Mannschaftspunkte und acht Brettpunkte liegt der SC Viernheim nun vorne. Da kann trotz des direkten Duells am Samstag mit Baden-Baden unter normalen Umständen nichts mehr schiefgehen. Während die souveränen Tabellenführer mit dem Tabellendritten eine harte Nuss zu knacken hatten – und dies mit einem knappen Sieg auch schafften, half der OSG nicht mal die Anwesenheit des Ex-Weltmeisters Viswanathan Anand. Das bereits vierte Unentschieden wirft die Mannschaft nun wohl endgültig aus dem Titelrennen.

Ex-Weltmeister Viswanathan Anand gab sich die Ehre und gab sein Saisondebüt in Runde 13. Kommt am Samstag vielleicht auch noch Vincent Keymer nach seinem Ausscheiden beim Chess.com-Turnier ins Team von Baden-Baden? | Foto: Stefan Liebig

Der Sekt kann kalt gestellt werden

Erg

Das hessische Duell zwischen dem Ersten und dem Dritten, der vor dieser Endrunde ebenfalls noch eine theoretische Chance auf die Meisterschaft hatte, ging mit 4,5:3,5 an die Südhessen. Die Viernheimer können eigentlich schon heute Abend die Korken knallen lassen. Selbst wenn sie gegen Baden-Baden und gegen Heimbach-Weis-Neuwied verlieren sollten, müssten die Badener (die am letzten Spieltag noch gegen Wolfhagen spielen) auch noch acht Brettpunkte gewinnen, um vorbeiziehen zu können. Selbst wenn mit Vincent Keymer – der heute noch fehlte, da er beim Chess.com-Turnier spielte – noch Verstärkung kommen sollte, dürften wohl niemand mehr auf den Verfolger und früheren Serienmeister wetten.

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Sorgt für Schlagzeilen: Yagiz Kaan Erdogmus (hinten links). | Foto: Hans-Joachim Vitz

Die Viernheimer traten mit einer starken Aufstellung an und machten damit klar, dass sie sich nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen wollen. Auch der jüngste je über 2700 Elopunkte gekletterte Spieler war mit an Bord: Das türkische Ausnahmetalent Yagiz Kaan Erdogmus spielte an Brett 4 Remis gegen Yuri Kuzubov. Entschieden wurde das Mannschaftsduell aber an den Brettern direkt hinter dem aufstrebenden Star: Zwar verlor Jorden van Foreest gegen Volodymyr Onyshchuk. Doch Alexey Sarana schlug Vladimir Baklan nach einer abwechslungsreichen und spannenden Partie und Bassem Amin nutzte ebenfalls seine Chance: 

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22.exf7? Txff7 23.Td3 Te8! 24.b3? Ld6? gibt den Vorteil wieder her. Aber nach dem nächsten weißen Fehler 25.Sf3? sowie 25...c6 26.Lf4 und dem starken 26...Lxf4 fuhr Bassem Amin den Punkt sicher ein.

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Erg

Das vierte Remis der Baden-Badener in dieser Saison ist sicher besonders ärgerlich: Vor dem Aufeinandertreffen mit Tabellenführer Viernheim ist damit wohl jede Spannung aus dem Meisterrennen raus. Ehrlich gesagt, war diese Spannung aber schon durch die drei Punkteteilungen der Badener sehr begrenzt und nur noch absolute Optimisten dürften an eine weitere Meisterschaft geglaubt haben. Die meisten Zuschauer haben die Süddeutschen aber wohl gehabt, denn an Brett 1 spielte zum ersten mal in dieser Saison Viswanathan Anand und um sein Brett bildeten sich des Öfteren Zuschauertrauben. Seine Partie gegen Leon Liviac konnte er trotz Mehrqualität aber nicht gewinnen.

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Peter Leko überraschte die Zuschauer und den Live-Kommentator Robert Rabiega mit einer Spontananalyse der Anand-Partie. Die Zuhörer klebten an den Lippen des ehemaligen Vizeweltmeisters, der hervorragend deutsch spricht. Am Samstag kommentiert er beim Live-Stream des SC Viernheim. | Foto: Stefan Liebig
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Lichtgestalt der Schachgeschichte – hier mit störendem Lichteinfall ... | Foto: Hans-Joachim Vitz

Trotzdem gab es in dieser Begegnung vier entschiedene Partien. Da diese gleich verteilt waren, konnte sich der abstiegsbedrohte SC Heimbach-Weis-Neuwied um einen extrem wichtigen und sicher auch unerwarteten Punktgewinn freuen. Für die größte Überraschung sorgte der portugiesische GM Jorge Joao Viterbo Ferreira, der die lebende Legende Alexei Shirov besiegen konnte.

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Nach dem für Schwarz vorteilbringenden Abtausch des ersten Springers der auf h5 gelandet war, tauchte mit dem 11. Zug der zweite Springer auf dem selben Randfeld auf und machte die Bahn frei für die Dame. Shirov half mit: 16.Se5?! 16.Dh4! und die Engine gab Schwarz hier schon einen deutlichen Vorsprung von über einem Bauern. Der Portugiese spielte die Partie sehr genau weiter und gewann im 37. Zug.
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Zwei Größen des Weltschachs: Während Alexey Shirov (v.l.) verlor, holte Rustam Kasimdzhanov (h.l.) einen wichtigen Punkt. | Foto: Hans-Joachim Vitz

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Weil Heimbach-Weis-Neuwied also punkten konnte, hieß es für die Berliner erst recht, gegen den Tabellenletzten aus Dresden zu gewinnen. Der Ausrichter dieser Veranstaltung traf aber auf ein verzweifelt kämpfendes Schlusslicht, obwohl die Chancen auf den Klassenerhalt von Dresden ähnlich gering waren, wie die auf eine Badener Meisterschaft. Das 4:4-Endresultat hilft beiden Teams nicht wesentlich weiter. Die sechs entschiedenen Partien sprechen aber für sich. Als erstes wurde die Partie der beiden Routiniers an Brett 8 entschieden: Ilja Schneider gewann gegen Raj Tischbierek. Die beiden Topbretter gewannen die Berliner ebenfalls in Person von Wojciech Moranda und Jacek Tomczak. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Liviu-Dieter Nisipeanu gewann ebenso für Dresden wie Juraj Druska und Jens-Uwe Maiwald. Trotz des Punktverlustes konnten die Berliner immerhin mit dem MSA Zugzwang gleichziehen:

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Die als Elfter in die Endrunde gestarteten Deizisauer konnten einen deutlichen Sieg gegen die abstiegsgefährdeten Münchener einfahren. Damit klettert das Blübaum-Team auf Rang 9. Matthias Blübaum übrigens war mit dabei. Wer dachte, er braucht etwas Ruhe nach seinem kräftezehrenden Kandidatenturnier auf Zypern, sah sich getäuscht. Gegen Pavel Eljanov spielte das Deizisauer Spitzenbrett Remis und auch Dmitrij Kollars an 2 steuerte einen halben Punkt bei, wie auch Gata Kamsky und Tamas Banusz. Alle anderen Deizisauer konnten ihre Partien gewinnen und sorgten damit für einen klaren 6:2-Sieg und beseitigten damit die letzten theoretischen Zweifel am Klassenerhalt der Deizisiauer. Für den MSA, der noch gegen Solingen und Düsseldorf ran muss, und die Berliner, die noch gegen Bremen und Kirchweyhe spielen, geht es in den letzten Runden um alles und vor allem darum, die zwei Punkte auf Heimbach-Weis-Neuwied, dass noch gegen Viernheim und Wolfhagen spielt, aufzuholen. Für die Heimbacher spricht zudem die deutlich bessere Brettpunktzahl, die bei den Topgegnern aber auch schnell zusammenschrumpfen könnte. 

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Wie Frederik Svane im Interview mit Katharina Reinecke und Sonja Bluhm erklärte strebt der GM an, möglichst bald die 2700er-Marke zu erreichen. Sicher wird ihm dabei die Sekundantenschaft bei Blübaums Kandidatenturnierteilnahme einige neue Erkenntnisse gebracht haben. Außerdem beschwor er den großartigen Teamspirit seines HSK. Das 7:1 gegen den FC St. Pauli gibt ihm Recht. Tatsächlich startete der HSK nicht ganz ohne Abstiegssorgen in dieses Match, das der Zwölfte gegen den Fünften so souverän gewann. Lediglich die beiden Svane-Brüder spielten Remis – alle anderen HSK-Spieler gewannen gegen die ersatzgeschwächten Paulianer.

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Frederik Svane gegen Jonas Bjerre: Der Norddeutsche war Sekundant von Matthias Blübaum beim Kanidatenturnier. Der Däne von Divya Deshmukh, die in der Damenkonkurrenz mitspielte. Beide folgten einer Eröffnung der Inderin und trennten sich Remis.

 

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Da hielt im Willy-Brandt-Haus jemand eine schützende Hand über den HSK: 7:1 gegen St. Pauli. | Foto: Reinhard Ahrens
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Blick auf Team Solingen. | Foto: Stefan Liebig

Schiedlich friedlich hingegen ging es bei diesem Mittelfeldduell zu. Am Ende standen acht Punkteteilungen. Für die beiden Teams geht es an den letzten beiden Spieltagen noch um die Platzierung. Kurioserweise waren beide vor dem Spieltag auf den Rängen 7 und 8 durch die Punkteteilung kletterte Solingen auf Platz 5 und Vorjahresmeister Düsseldorf fiel auf Platz 11 zurück.

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Auch das bayerische Duell zwischen Bayern München und dem SV Deggendorf endete ohne einen einzigen Sieger. Der FCB festigte damit seinen starken vierten Tabellenplatz und die Deggendorfer, die vor wenigen Spieltagen noch mitten im Abstiegskampf steckten, beseitigten damit die Abstiegssorgen zu vermutlich über 90 Prozent.

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In einem weiteren Spiel um die goldene Ananas verlor Werder Bremen knapp mit 3,5:4,5 gegen den SK Kirchweyhe. Entscheidend war der Sieg von Sasa Martinovic an Brett 7 gegen Nikolas Wachinger.

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Sasa Martinovic machte den Big Point in einem weniger wichtigen Spiel. | Foto: Carolin Köpp
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Eröffnung und Begrüßung zur Endrunde im Berliner Willy-Brandt-Haus. | Foto: Hans-Joachim Vitz

Tabelle nach 13 Spieltagen:

Tabelle

 

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