Faustino Oro gibt sein Debüt in der Schachbundesliga
Die Favoriten gaben sich keine Blöße: Sowohl der Titelverteidiger SC Viernheim als auch der frühere Serienmeister OSG Baden-Baden starteten mit einem Sieg in die neue Saison. Der Newcomer des Tages war aber definitiv ein junger Argentinier: GM Faustino Oro gab sein Debüt für den SV Werder Bremen und spielte in seiner ersten Partie mit Schwarz Remis gegen Leon Liviac vom SC Heimbach-Weis-Neuwied. Während Aufsteiger Erkenschwick gegen Viernheim erwartungsgemäß chancenlos war, starteten die beiden anderen Aufsteiger Remagen Sinzig und Bad Mergentheim durchaus vielversprechend in die Saison.
Faustino Oro startete seine Schachbundesliga-Karriere mit einem Remis gegen Leon Liviac. | Foto: Angelika Valkova
Es geht los: Die Schachbundesligasaison 2026/27 ist ins erste Wettkampfwochenende gestartet ...

Die gute Stimmung im Team zahlte sich aus und der FC St. Pauli wurde seiner Favoritenrolle gerecht. Spielentscheidend in dem Kampf, der lange unentschieden stand, war der Sieg von Bartosz Socko mit Schwarz gegen David Shengelia.
Neuling Richard Rapport, der von der OSG Baden-Baden in den Norden wechselte, spielte an Brett 1 in einer durchgehend ausgeglichenen Partie remis gegen Pavel Eljanov. Als letzte Partie endete die von Leonardo Costa, der mit Schwarz trotz lange schlechter Stellung gegen Jonas Buhl Bjerre ein Remis erzielte. Doch um auszugleichen war dies zu wenig.

In München remisierte Rasmus Svane gegen Pouya Idani. Der doppelte Medaillengewinner von Usbekistan, Frederik Svane, verlor an 1 gegen den für Österreich spielenden Kirill Alekseenko. Der deutsche Nationalspieler kämpfte bis zuletzt, doch er konnte die HSK-Niederlage nicht abwenden.
Die Münchener, die in der vergangenen Saison auf einem starken vierten Platz landeten, legten damit den Grundstein für eine weitere erfolgreiche Spielzeit. Der ehemalige Kandidatenturnierteilnehmer Nijat Abasov gewann gegen Tamas Banusz und Matic Lavrencic gewann an 8 gegen Thies Heinemann. Den einzigen HSK-Sieg fuhr Niclas Huschenbeth gegen Alan Pichot ein.

Lange stand es 0,5:0,5 nach dem Remis zwischen Anton Korobov und Robert Ris. Doch in der vierten Stunde brachten die Bretter 1, 3 und 4 in kurzer Zeit drei Punkte für den Titelverteidiger und damit die Vorentscheidung. Neben dem frühen Remis konnte für den Aufsteiger lediglich noch Friso Nijboer an Brett 7 ein Remis gegen Dennis Wagner erkämpfen. Am Ende stand ein mehr als deutlicher 7:1-Sieg für den amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger. Übrigens hatten die Viernheimer auch im Pokalfinale gegen Erkenschwick gewonnen. Wie die letzten Saison endete, so begann also auch die neue ...
Der serbische GM Alexey Sarana gewann an Brett 3 mit Schwarz gegen den Niederländer Liam Vrolijk – eine der wenigen Neuverpflichtungen des westfälischen Liganeulings. Sarana sagte, er wisse selbst nicht so genau, wie er so schnell gewonnen haben: „Wir hatten eine normale Eröffnung, dann geriet mein Gegner in taktische Verwicklungen, die offensichtlich sehr gut für mich waren.“

Einen harten Kampf lieferten sich die beiden vielfachen deutschen Meister früherer Jahre. Die Solinger hielten den Kampf lange spannend, obwohl die Baden-Badener die deutlich bessere Mannschaft aufstellen konnte. Zwar fehlten den Süddeutschen die ersten fünf gemeldeten Spieler – darunter auch Deutschlands Nummer 1 Vincent Keymer. Doch der Kader ist stark genug, dies auszugleichen. Dennoch sind vielleicht kleine Ängste aufgrund der Erinnerung an die Punkteverluste der letzten Saison aufgekommen. Doch aus Sicht der OSG ist es gut gegangen und am Ende stand dank der Siege an den Brettern 6 und 7 ein knapper Sieg für den Favoriten. Bemerkenswert: Alle Partien mit französischer Beteiligung fanden einen Sieger: Maxime Lagarde gewann gegen Ruben Gideon Köllner und Etienne Bacrot schlug Alexander Krastev. An Brett 1 musste sich Maxime Vachier-Lagrave allerdings einem wieder einmal stark spielenden David Navara geschlagen geben.
Eines erinnert jedoch bereits jetzt an letzte Saison: Durch den Viernheimer Kantersieg sind die Baden-Badener sofort wieder in der Verfolgerrolle.

Die 2011 geborene Natalyiya Movchan war die einzige weibliche Teilnehmerin an der ersten Runde der Bundesliga. Die Nachwuchsspielerin bekam es mit dem 610 Punkte stärker bewerteten Großmeister Pawel Jaracz zu tun und musste ihm erwartungsgemäß den Punkt überlassen. Bis zum 15. Zug hatte sie in einem Abgelehnten Damengambit gute Entwicklungszüge gefunden, doch dann griff sie fehl:
Nur wenig später steuerte der junge Engländer Shreyas Royal den zweiten Sieg bei. Er gewann souverän und noch vor der Zeitkontrolle gegen den serbischen GM Nikola Sedlak. Zusammen mit den Remisen an den Brettern 3 und 7 führte der Aufsteiger bereits mit 3:1. Souverän brachte der Rest des Teams den Vorsprung „nach Hause“ und so startete Aufsteiger Remagen Sinzig mit einem Sieg in die neue Saison, bei dem nur Jakub Seemann eine 0 einstecken musste. Andreij Voloktin, Peter Prohaszka, Shreyas Roval und Pawel Jaracz gewannen.

Auch der Zweitligameister der letzten Saison aus dem Süden verbuchte gleich zu Saisonbeginn zwei Punkte. Gegen den Meister des vorletzten Jahres Düsseldorf gelang den Wiederaufsteigern ein starkes 5:3. Die Bad Mergentheimer münzten dabei ihre nominellen Vorteile souverän zu einem wichtigen Mannschaftssieg um. Evgeny Postny hatte die Rheinländer zwar in Führung gebracht, doch die beiden Siege an den Brettern 5 und 7 drehten das Spiele zugunsten der Süddeutschen. Bemerkenswert: Neben dem MSA Zugzwang und den Mitaufsteigern aus Erkenschwick waren die Sieger dieses Kampfes die einzigen die mit den an 1 bis 8 gemeldeten Brettern antraten.

Schiedlich, friedlich einigten sich beim Kampf zwischen dem SK Kirchweyhe und den Schachfreunden aus Berlin alle 16 Spieler auf Remis. Die Berliner waren ja durch die Rückzüge von Deizisau und Wolfhagen gemeinsam mit dem MSA Zugzwang in der Liga geblieben und können mit dem 4:4 gegen den fast durchgehend besser besetzten Klub aus Niedersachsen sicher gut leben.

Es dürfte die spektakulärste Neuverpflichtung zur neuen Saison gewesen sein: Der SV Werder Bremen vermeldete den Zugang von Faustino Oro. Der nächste Woche (am 14. Oktober) 13 Jahre alt werdende argentinische Nachwuchsstar und Junggroßmeister verstärkt das norddeutsche Team. Schön für die Fans, dass er gleich zum Saisonauftakt und kurz nach seiner Premierenolympiade mit an Bord war. Er trat mit Schwarz gegen den serbischen GM Leon Liviac an und remisierte nach 31 unspektakulären Zügen. Die Partie hatte die Remisbreite nicht verlassen. Für ein Mannschaftsunentschieden reichte es jedoch nicht, da Werder an den Bretter 1, 4 und 6 verlor. Immerhin konnte aber Zbynek Hracek die erste entschiedene Partie der neuen Saison in der Liga für sich verbuchen. Zumindest ein kleines Trostpflaster. Auch der zweite Jungstar spielte übrigens Remis: Der Heimbach-Weis-Neuwied-Spieler Vaclav Finek hat in den letzten Monaten enorme Verfolge verbucht und ist inzwischen bereits ein etablierter GM. Der junge Tscheche holte ein Remis gegen den Polen Szymon Gumularz.
Tabelle nach der 1. Runde:


Alles Wichtige zum ersten Schachbundesliga-Wochenende:
- Spielplan für die Saison 2026/27
- Die Saison 2026/27 startet: Auftakt mit Titelverteidiger SC Viernheim
- Faustino Oro im Werderteam: Bundesligakader für Saison 2026/27 stehen fest
- Nationalspieler Blübaum und Kollars wechseln zur OSG Baden-Baden
- MSA und SF Berlin können Klassenerhalt feiern
- Ein alter Bekannter kehrt zurück
- Bad Mergentheim setzt auf Kontinuität: Klassenerhalt als großes Ziel
- Aufsteiger Erkenschwick: Konzept steht über Ligazugehörigkeit



