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Faustino Oro im Werderteam: Bundesligakader für Saison 2026/27 stehen fest

Im Oktober geht die neue Saison und damit die Jagd auf Meister Viernheim los. Schafft es Baden-Baden anders als in der letzten Saison, regelmäßig eine schlagkräftige Truppe aufzustellen, ist der ehemalige Serienmeister Titelkandidat Nummer 1. Aber auch der Blick in die Abstiegsregion verspricht viel Spannung. Hier ein Überblick über die Teams in der kommenden Saison, dabei beziehen sich die Durchschnittswerte der Teams immer auf die ersten zehn gemeldeten Spieler – wohlwissend, dass die jeweilige Spieltagsaufstellung schwer vorhersehbar ist:

Zwei prominente Neulinge in der Bundesliga: Vasyl Ivanchuk und Faustino Oro spielen 2026/27 für Remagen Sinzig und Bremen in der Schachbundesliga. | Foto: Lennart Ootes

Der Stachel sitzt tief beim ehemaligen Serienmeister OSG Baden-Baden: Die Dauermeister von früher – zwischen 2006 und 2023 gelang es nur Solingen im Jahr 2016 den Süddeutschen die Meisterschaft abspenstig zu machen – mussten in den letzten drei Jahren zweimal dem SC Viernheim (2024 und 2026) und einmal dem Düsseldorf SK (2025) den Vortritt lassen. 

Alle komplette Kader, die Tabelle und den Spielplan gibt es auf dem Bundesliga Ergebnisdienst.

Meisterschaftsfavoriten

OSG Baden-Baden (Eloschnitt Top 10: 2718,5)

Zwar waren die Rekordmeister mit 16 Titeln auch in die letzte Saison als nomineller Favorit gestartet, doch schon vor Beginn konnte man Zweifel haben, wie oft die gemeldeten Stars auch einsatzbereit und -willig sein würden. Und es zeigte sich, dass zweimal ein Brett unbesetzt bleiben musste, was gegen den FC Bayern München sogar einen wichtigen Mannschaftspunkt kostete. Tatsächlich saßen die acht Topspieler lediglich bei 18 Partien am Brett. Grund genug dies zu ändern: Mit Alireza Firouzja, Anish Giri und Levon Aronian sortierten der Vizemeister von 2024 und 2026 und Dritte von 2025 gleich drei absolute Weltklassespieler aus, die in der letzten Saison keine einzige Partie absolvierten.

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Dimitrij Kollars und Matthias Blübaum bei der Endrunde in Berlin – noch für Deizisau. | Foto: Stefan Liebig

Während diese drei auch in keinem anderen Team der Bundesliga auftauchen, wechselt Richard Rapport zu FC St. Pauli und wird wohl meist am Spitzenbrett spielen, da der Ungar direkt hinter Magnus Carlsen an zwei gemeldet ist. Den Rest des Stammes hält Baden-Baden zusammen und ergänzt das Team durch einige Vielspieler: Mit Matthias Blübaum und Dimitrij Kollars wechseln zwei Nationalspieler aus der Konkursmasse des freiwilligen Absteigers SF Deizisau nach Baden-Baden. Außerdem kommen der Usbeke Shamsiddin Vokhidov und der Franzose Maxime Lagarde hinzu – beide sind neu in der Liga. So verstärkt führt bei der Titelvergabe vermutlich kein Weg an der OSG vorbei. Hier die Top 10 der Baden-Badener, die zwar einen um 19 Punkte niedrigeren Eloschnitt als in der Vorsaison aufweist, dennoch aber häufiger anwesend sein sollte:

1. Fabiano Caruana (USA/2792)
2. Javokhir Sindarov (UZB/2777)
3. Vincent Keymer (GER/2767)
4. Viswanathan Anand (IND/2739)
5. Nihal Sarin (IND/2717)
6. Maxime Vachier-Lagrave (FRA/2713)
7. Matthias Blübaum (GER/2694)
8. Nikita Vitiugov (ENG/2666)
9. Rustam Kasimdzhanov (UZB/2665)
10. Shamsiddin Vokhidov (UZB/2655)

SC Viernheim (2692,6)

Der amtierende Meister und Meister von 2024 sowie Vizemeister von 2025 ist an Rang zwei der Setzliste. Zwar haben die Südhessen 25 Elopunkte weniger im Schnitt, allerdings waren es in der Meistersaison 2025/26 sogar über 40 Punkte Abstand. Nodirbek Abdusattorov bleibt am Spitzenbrett, hat allerdings vergangene Saison als einziger der Topspieler keine Partie bestritten. Yagiz Kaan Erdogmus wurde durch Aydin Suleymanli ersetzt.

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Aydin Suleymanli verstärkt das Meisterteam. | Foto: Lennart Ootes

Ansonsten gibt es keine Bewegung im vorderen Bereich des Teams und auch das Ehepaar Wagner bleibt an Bord. Mit dem Selbstvertrauen der Meisterschaft im Rücken, ist der SCV auch in diesem Jahr wohl der einzige Titelfavorit neben der OSG Baden-Baden:

1. Nodirbek Abdusattorov (UZB/2766)
2. Jan-Krzysztof Duda (POL/2743)
3. 
Jorden Van Foreest (NED/2728)

4. Shakhriyar Mamedyarov (AZE/2723) 
5. Parham Maghsoodloo (IRI/2705)
6. Chithambaram VR. Aravindh (IND/2677)
7. Aydin Suleymanli (AZE/2657)
8. Alexey Sarana (SRB/2664)

9. David Anton Guijarro (ESP/2642)
10. Anton Korobov (UKR/2621)

Verfolger

FC St. Pauli (2644,6)

Da von den beiden in der Rangliste folgenden Teams ein Lücke zu den dahinter liegenden klafft und außerdem das Pauli-Aushängeschilde Magnus Carlsen seinen Verein als Titelkandidat innerhalb der nächsten Jahre ins Gespräch gebracht hat, sei der Nordklub in dieser Verfolgerkategorie angeführt. Zwar haben die Paulianer ihren Schnitt an den Topbrettern um 12 Punkte gegenüber letztem Jahr steigern können. Doch mit Viernheim und Baden-Baden können sie wohl selbst mit Carlsen, der aber vermutlich nicht auf allzu viele Einsätze kommen wird, nicht konkurrieren.

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Richard Rapport wechselt zu St. Pauli. Hier in der letzten Saison gegen Niclas Huschenbeth. | Foto: Reinhard Ahrens

Der namhafteste Neuzugang der Nordlichter ist bereits als Abgang der OSG genannt worden: Richard Rapport. Auch die Nummer 3, Venkatesh Pranav, ist ein Topzugang und Liganeuling. Peter Heine Nielsen und Elham Amar verlassen den Kiezclub hingegen.

1. Magnus Carlsen (NOR/2823)
2. Richard Rapport (HUN/2729)
3. Venkatesh Pranav (IND/2666)
4. Nikolaos Theodorou (GRE/2628)
5. Marc Andria Maurizzi (FRA/2628)
6. Jonas Bjerre (DEN/2615)
7. David W L Howell (ENG/2665)
8. Jesper Sondergaard Thybo (DEN/2579)
9. Mads Andersen (DEN/2559)
10. Bartosz Socko (POL/2554)

FC Bayern München (2610,3)

Um rund 21 Elopunkte und damit auf über 2600 ist der Schnitt des FC Bayern gesprungen. Damit sind die Vorjahresvierten auch in der Setzliste auf Rang 4. Mit dem Usbeken Nodirbek Yakubboev verpflichtete der Verein ein neues zweites Brett hinter Vladimir Fedoseev. Diese Verstärkung ist die einzige, aber durchaus bedeutsame Veränderung an den Münchener Topbrettern.

1. Vladimir Fedoseev (SLO/2731)
2. Kirill Alekseenko (AUT/2652)
3. Jaime Santos Latasa (ESP/2614)
4. Pouya Idani (IRI/2593)
5. Alan Pichot (ESP/2581)
6. Nijat Abasov (AZE/2578)
7. Jan Subelj (SLO/2549)
8. Valentin Dragnev (AUT/2547)
9. Alvar Alonso Rosell (ESP/2536)
10. Felix Blohberger (AUT/2513)

Mittelfeld 

Wie gewohnt, gibt es auch in diesem Jahr eine spürbare Lücke zwischen den Topteams und einem sehr breiten Mittelfeld. Knapp vorne nach Eloliste steht dabei der SV Werder Bremen. Nachstehend die wichtigsten Zu- und Abgänge der Teams, die voraussichtlich nichts mit der Titelvergabe zu tun haben, aber auch gute Chancen, sich vom Abstieg fernzuhalten:

SV Werder Bremen (2579,9 / -12 Eloschnitt im vgl. zum Vorjahr):

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Ihor Samunenkov – hier noch für Wolfhagen – zieht Lc4 gegen Parham Maghsoodloo. | Foto: Stefan Liebig

Über eine der spektakulärsten Neuverpflichtungen kann sich der SV Werder Bremen, der an Nummer 5 dieser Setzliste mit beträchtlichem Abstand zu den vorderen Plätzen folgt, freuen: Mit Faustino Oro, dem Jungstar aus Argentinien, an Brett 6 steht der zweitjüngste Großmeister aller Zeiten im Aufgebot. Aus dem Kader des Rückziehers Wolfhagen konnte zudem das ukrainische Supertalent Ihor Samunenkov verpflichtet werden. Alexander Areshchenko und Vlastimil Babula hingegen verlassen den Verein.

SC Heimbach-Weis-Neuwied (2576,2 / +38)

Die Austragung der Endrunde zum Saisonabschluss scheint die Rheinland-Pfälzer auf dem Transfermarkt beflügelt zu haben. Neu im Team sind Spitzenbrett Shant Sargsyan, der 16 Jahre junge tschechische Emporkömmling Vaclav Finek, der kürzlich in Biel das Challengerturnier gewann und auch im Winter beim Prager Challenger ungeschlagen die Nase vorn hatte.

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Vaclav Finek verstärkt Heimbach-Weis-Neuwied. | Foto: Petr Vrabec / Prague Chess Festival

Außerdem kommt Pranav Anand nach Neuwied und übernimmt Brett 5. Einziger Abgang der letztjährigen Top 10 ist Martin Neugebauer.

SV Deggendorf (2573,2 / -11)

Deggendorf blieb dank eines guten Endspurts in der Liga und geht mit einem im oberen Bereich fast unveränderten Kader in die neue Spielzeit. Es bleibt bei fünf indischen GM im Team der Oberbayern. Arjun Erigaisi - er spielte 2025/26 lediglich die Runden 5 bis 8 - bleibt im Team, allerdings ersetzt Baskaran Adhiban seinen Landsmann Gupta Sankalp.

Hamburger SK (2572,2 / -10)

Für Aufsehen sorgte ChessBase-Gründer Frederic Friedel, als er kürzlich verkündete, Bodhana Sivanandan stünde vor dem Wechsel ins Hamburger Bundesliga-Team. Ganz falsch ist das auch nicht, denn das englische Ausnahmetalent wird in der kommenden Saison an Brett 4 in der Damenbundesligamannschaft und an Brett 5 der HSK-Zweiten in der Zweiten Bundesliga auf starke Gegner treffen. 

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Jan Gustafsson verabschiedet sich aus Hamburg. | Foto: Reinhard Ahrens

Neu in der ersten Garnitur der Elbstädter ist Tamas Banusz, der aus Deizisau ans vierte Brett kommt. Prominente Zugänge sind Nikolas Lubbe und Eline Roebers (Brett 12 und 15). Nils Grandelius und Bundestrainer Jan Gustafsson verlassen den Verein. Letzterer übernimmt interessanterweise das 1. Brett beim Zweitliganeuling SV Lübeck.

SG Solingen (2569,1 / -17)

Für den achten Titel in der eingleisigen Schachbundesliga wird es voraussichtlich nicht reichen bei den Klingenstädtern aus Nordrhein-Westfalen. Aber der 7. Platz der Vorsaison wäre sicher akzeptabel. Schmerzhaft ist der Abgang des Inders Surya Ganguly. Mit IM Ruben Gideon Köllner konnte aber ein deutsches Talent verpflichtet werden.

SK Kirchweyhe (2567,7 / +4)

Die einzige nennenswerte Veränderung im Kader der Niedersachsen ist die Neuverpflichtung des Armeniers Samvel Ter-Sahakyan für Brett 3. Ansonsten setzt sich der Stamm überwiegend aus Großmeistern der Balkanländer zusammen.

SC Remagen Sinzig (2559,4 / Aufsteiger)

Nur 26 Kilometer Fahrt stehen dem Aufsteiger zur Endrunde nach Heimbach bevor. Als nominell stärkster Aufsteiger, hofft man sicher, schon vor der Endrunde den Klassenerhalt gesichert zu haben. Mit Vasyl Ivanchuk bietet der Klub eine lebende Legende an Brett 1 auf. An Brett 16 ist übrigens das deutsche Urgestein Romuald Mainka gemeldet. Ansonsten gibt es mit Benjamin Gledura, Andreij Volokitin, Antonios Pavlidis, Jakub Seemann, Mircea Emilian Parligras und Shreyas Royal, dem 16-jährigen englischen Talent, viel Verstärkung im Aufsteigerteam. Der Klassenerhalt sollte so ein realistisches Ziel sein.

Klassenerhalt

Düsseldorfer SK (2529 / -11)

Das dritte Brett der Vorsaison, Antonios Pavlidis, verließ den Meister von 2025 in Richtung Remagen Sinzig. Casper Schoppen, Ravi Haria und Aarav Dengla trennten sich ebenfalls von den Düsseldorfern. Neu hinzu kamen Kirk Gazarian, Evgeny Postny und Torben Knüdel. Auch Teamchef Jan Werner ist in dieser Saison gemeldet. Für die Düsseldorfer dürfte es vor allem darum gehen, die Aufsteiger und die letztjährigen Absteiger, die aber in der Liga bleiben durften, hinter sich zu lassen.

Münchener Schachakademie Zugzwang (2518,9 / +19)

19 Elopunkte mehr wecken die Hoffnung auf den (sportlichen) Klassenerhalt beim MSA Zugzwang. Mit Robert Hoyhannisyan kommt ein starker Spieler für das Brett hinter Spitzenmann Pavel Eljanov. Ansonsten setzt man auf das etablierte, überwiegend deutsch-österreichische und sehr erfahrene Team.

Schachfreunde Berlin (2508,9 / +14)

Auch die Hauptstädter haben sich verstärkt, um nicht wieder auf den Abstiegsplätzen festzusitzen. Mit Sergei Movsesian holte man ein neues 1. Brett. Raphael Lagunov verließ das Team.

Schachfreunde Bad Mergentheim (2498,8 / Aufsteiger)

Bemerkenswert: Der Aufsteiger aus der 2. Liga Süd geht mit denselben zehn Topleuten (in leicht geänderter Reihenfolge) wie in der Aufstiegssaison in die höchste Spielklasse. Auch im Rest des Kaders gibt es kaum Veränderungen, so setzt man auf ein eingespieltes Team im Kampf um den Klassenerhalt.

SV Erkenschwick (2458,9 / Aufsteiger)

Die Ruhrpottler sind der klare Außenseiter der Saison. Das um drei Letten ergänzte (darunter die ersten beiden Bretter Toms Kantans und Nikita Meshkovs) deutsch-niederländische Team geht wie die Mergentheimer nahezu gleich aufgestellt in die erste Saison nach dem Aufstieg. Neu ist aber Liam Vrolijk an Brett 3.

Spielplan 2026/27

 

Hier die kompletten Ansetzungen für die neue Saison, die vom 9. Oktober bis zum 4. April dauert (Spieltermine: 9.-11.10.2026, 13.-15.11.2026, 12.-14.2.2027, 5.-7.3.2027 und 2.-4.4.2027):

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